goeast http://goeast.cc Fahrradreise Deutschland -> China Wed, 10 Aug 2011 10:27:11 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.0.4 Zurück in der Heimat http://goeast.cc/?p=2293 http://goeast.cc/?p=2293#comments Wed, 10 Aug 2011 09:33:47 +0000 Thomas Deutsch http://goeast.cc/?p=2293
Hallo Zusammen.
Entschuldigt bitte das ich mich so lange nicht gemeldet habe. Seit dem letzten Artikel ist ja schon fast ein ganzer Monat vergangen. Aber jetzt bin ich heil und ein einem Stück in Deutschland angekommen auch meinen 30. Geburtstag habe ich schon mit Freunden und Familie gefeiert.
Ich freue mich sehr zurück in Haltern zu sein und für mich ist es einer der schönsten Orte die ich gesehen habe – was für ein Glück! Es tut gut wieder Freunde und Familie zu sehen und auch das Wetter stimmt (Regen). Die letzten Wochen meiner Reise waren so warm (ca. 40°C) das ich mich auf den Deutschen Sommer freuen konnte.
Innerhalb von wenigen Stunden mit dem Flugzeug zurück in Deutschland zu sein ist sehr seltsam. Es ist auch seltsam das man sich innerhalb weniger Tage wieder einleben kann so das im Moment die ganze Tour wie ein Traum wirkt.

Meine Reise ist jetzt vorbei, doch auf dieser Seite wird in in den nächsten Wochen noch viel zu sehen geben. Unveröffentlichte Reiseberichte und Reise- sowie Ausrüstungs-Tips werden hier in kürze veröffentlicht. Die ganze goeast-Seite braucht eine kleine Reparatur und ich freue mich darauf hiermit noch die Möglichkeit zu haben auch andere für das Radreisen begeistern zu können.
Diese kommenden Berichte werden mir auch helfen die gesammelten Eindrücke aufarbeiten zu können daher ist der Zeitpunkt für das Schlusswort hier noch nicht gekommen…
… aber einen RIESEN Dank an alle die dabei waren oder erst jetzt auf diese Seite gestoßen sind!

Schon jetzt kann man sich alle Fotos auf der goeast Flickr-Seite anschauen!

Danke auch an Valentin. In der ganzen Zeit haben wir uns nicht ein einziges mal gestritten, was schon fast nicht zu glauben ist. Valentin hat die Reise in Urumqi beendet. Sein großes Ziel war es mit dem Fahrrad nach China zu fahren, die letzten Wochen war ich dann alleine Unterwegs. Beides war eine tolle Erfahrung!



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Zurück in der Heimat
Tag 2
14.04.2011  |  1 Comment
Die ersten Tage
09.04.2011  |  2 Comments
Tag 0 und 1
05.04.2011  |  6 Comments
3 Tage vor Abfahrt
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15.07.2011 http://goeast.cc/?p=2283 http://goeast.cc/?p=2283#comments Fri, 15 Jul 2011 19:46:34 +0000 Thomas Deutsch http://goeast.cc/?p=2283

Ab hier ist nichts ist mehr unmöglich
Es sind immerhin noch über 2000km bis zu meinem Ziel “Hong Kong”. Noch kann ich es nicht glauben das ich in etwa 2,5 Wochen ankommen werde, aber so ist der Plan. Und so genau wie er ist, so genau ist auch klar das ich jetzt jeden Tag an die 140km fahren muss um es zu schaffen. Ich bin jetzt seit 2 Wochen alleine unterwegs, habe durch die Wüste Gobi einen Zug genommen und nach einer erfolgreichen Visumsverlaengerung in Lanzhou stehe ich vor dem letzten Abschnitt dieser Tour.
Was kann jetzt noch passieren? Ich habe keine grossen Erwartungen noch grosse Entdeckungen machen zu können nach dem was ich alles erlebt habe. Ich sehe die Zahlen auf meinem GPS und die Vorstellung von dem was mich erwartet geht kaum darüber hinaus. Es fällt mir etwas schwerer mich zu motivieren. Mit einem Reisepartner unterwegs zu sein bedeutet auch das man mehr Verantwortung dem Reisevorhaben gegenüber haben muss aber mit meinen fast 30 Jahren sollte ich inzwischen gelernt haben diese Verantwortung auch für mich aufbringen zu können. Inzwischen kann ich mich motivieren morgens früh aufzustehen und meine kleine Reise zuende zu führen. Ab hier kann alles kommen, die Angst vor hohen Bergen, vor Gegenwind oder Regen, vor einem kaputten Fahrrad – nichts davon ist mehr vorhanden. Es ist wirklich einfach, man setzt sich auf das Fahrrad und
die Welt kommt auf einen zu. Es ging also alleine weiter und jeder Tag hatte seine eigenen Überraschungen und immer gab es Momente an dem das Staunen gross war. Selbst nach 3,5 Monaten Radreise kann man es sich nicht vorstellen wieder und wieder so viel neues zu entdecken. Der Verkehr ist hier sehr chaotisch und ich rege mich oft auf. Häufig komme ich in grosse Städte und lerne die Chinesen von ihrer nicht so tollen Seite kennen. Es wird nicht gelacht, das soziale Verhalten ist nicht mit dem in Europa zu vergleichen. Hier wird einem mal vor die Füsse gespuckt oder es wird einfach weggeschaut wenn es unangenehm wird… ich kann mich damit nicht abfinden und oft möchte ich die Chinesen allgemein ein schlechtes Urteil geben, aber dann komme ich durch eine nicht so dicht besiedelte Gegend und ab und an sehe ich auch ein Lächeln und werde auch schon mal zum essen eingeladen – welches hier übringens sehr gut ist. Ich werde weiterhin versuchen mir kein allgemeines Urteil zu bilden, aber das mit dem wegschauen wenn es unangenehm wird… daran muss hier noch gearbeitet werden.
Die Stäte in diesem Land – vor allem die grossen – werden unfassbar schnell ausgebaut. Hier werden wie im Computerspiel “Sim City” Millionenstädte in die Landschaft gesetzt. Ich kann manchmal nicht glauben was ich sehe. Gestern noch bin ich durch eine solche Stadt gefahren und am Stadtrand wurde alles vorbereitet für die grosse Stadteröffnung! Alles ist sehr modern und oft wird die alte Architektur dazu benutzt um eine seelenlose “Happy Mall” doch nach was aussehen zu lassen. Hier funktioniert es irgendwie – die Leute möchten da wohnen. Ich habe viele Bekanntschaften gemacht und auch viel gesehen. Ich hätte es nicht glauben koennen, aber so wie es aussieht bleibt es so…. jeder Tag ist etwas ganz neues. Ich werde diese Zeit noch so gut es geht geniessen. Es ist schon seltsam, man kommt aus dem Berufsleben in dem wir uns alle grosse Sorgen machen vor dem was passieren koennte. Dann in ein Leben zu geraten an dem an jedem Tag klar ist das man keine Ahnung hat was einenen erwartet hat etwas befreiendes – oder ist es Freiheit? Sie kommt aber nicht einfach denn der Weg ist immerhin zu bestreiten und so fahre ich über hohe Berge und durch pechschwarze Tunnel in denen mein Puls vor Aufregung auch im Hals spürbar ist und ab und an kann ich mein Glück kaum fassen.

Alle Fotos der Reise findet ihr auf der Flickr-Seite



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Weitere Reiseberichte (Iran)

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Statistiken http://goeast.cc/?p=2251 http://goeast.cc/?p=2251#comments Sat, 02 Jul 2011 09:00:15 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2251

Im Folgenden gibt es eine Auflistung unserer Tagesetappen solange bis sich unsere Wege in Korla (China) trennten. Wenn man auf das Tagesziel klickt, bekommt man direkt den Ort bei Google Maps angezeigt. Das Wort “Dachgeber” bedeutet, dass uns jemand bei sich zu Hause aufgenommen hat und wir dort schlafen durften.

Strecke insgesamt: 10056 km
Tagesschnitt inklusive Ruhetage: 115 km
Tagesschnitt an Fahrtagen: 131 km

Pannen (Valentin):
Platte Reifen: 7
Gebrochene Speichen: 1

Tag Datum Kilometer Land Tagesziel Schlafplatz
1 04.04.11 177 Deutschland Erfurt Dachgeber
2 05.04.11 102 Deutschland Lemnitz Camping (Privatgrundstück)
3 06.04.11 144 Tschechien Wildcamping
4 07.04.11 149 Tschechien Campingplatz (geschlossen)
5 08.04.11 144 Tschechien Staré Hobzí Campingplatz
6 09.04.11 115 Österreich Laa an der Thaya Dachgeber
7 10.04.11 201 Ungarn Györ Hotel
8 11.04.11 141 Ungarn N 46°53’55.8″ E 18°31’19.2″ Camping (Privatgrundstück)
9 12.04.11 106 Ungarn Dunaszekcso Campingplatz
10 13.04.11 161 Serbien Bačka Palanka Hotel
11 14.04.11 0 Serbien Bačka Palanka Hotel
12 15.04.11 137 Serbien Obrenovac Hotel
13 16.04.11 130 Serbien N 44°22’22.9″ E 21°15’21.1″ Camping (Privatgrundstück)
14 17.04.11 125 Serbien N 43°58’03.8″ E 22°08’06.6″ Camping (Privatgrundstück)
15 18.04.11 150 Bulgarien Montana Hotel
16 19.04.11 92 Bulgarien Botevgrad Hotel
17 20.04.11 136 Bulgarien Pazardzhik Hotel
18 21.04.11 168 Griechenland Kato Nevrokopi Hotel
19 22.04.11 81 Griechenland Tavala Campingplatz
20 23.04.11 104 Griechenland N 40°57’18.1″ E 25°08’25.2″ Campingplatz (geschlossen)
21 24.04.11 87 Griechenland Alexandropoulis Campingplatz
22 25.04.11 155 Türkei Gelibolu Hotel
23 26.04.11 119 Türkei Yenice Hotel
24 27.04.11 113 Türkei Balıkesir Hotel
25 28.04.11 142 Türkei Simav Hotel
26 29.04.11 124 Türkei Sivaslı Hotel
27 30.04.11 137 Türkei Senirkent Hotel
28 01.05.11 152 Türkei Şarkikaraağaç Hotel
29 02.05.11 140 Türkei Konya Hotel
30 03.05.11 159 Türkei Aksaray Hotel
31 04.05.11 157 Türkei Kayseri Hotel
32 05.05.11 24 Türkei Kayseri Hotel
33 06.05.11 0 Türkei Kayseri Hotel
34 07.05.11 145 Türkei N 38°51’36.8″ E 36°53’21.7″ Dachgeber
35 08.05.11 129 Türkei Darıca Camping (Privatgrundstück)
36 09.05.11 71 Türkei Malatya Hotel
37 10.05.11 157 Türkei N 38°39’06.1″ E 39°44’32.4″ Hotel
38 11.05.11 110 Türkei Solhan Hotel
39 12.05.11 143 Türkei Tatvan Hotel
40 13.05.11 185 Türkei Muradiye Dachgeber
41 14.05.11 90 Türkei Doğubeyazıt Hotel
42 15.05.11 122 Iran N 39°02’41.7″ E 44°58’32.4″ Wildcamping
43 16.05.11 130 Iran Marand Hotel
44 17.05.11 70 Iran Tabriz Hotel
45 18.05.11 77 Iran N 37°45’44.1″ E 46°53’16.7″ Wildcamping
46 19.05.11 103 Iran Mianeh Hotel
47 20.05.11 134 Iran Zanjan Hotel
48 21.05.11 176 Iran N 35°47’57.1″ E 49°51’47.1″ Dachgeber
49 22.05.11 163 Iran Tehran Dachgeber
50 23.05.11 0 Iran Tehran Dachgeber
51 24.05.11 0 Iran Tehran Dachgeber
52 25.05.11 36 Iran Shahrud Hotel
53 26.05.11 128 Iran N 36°50’56.5″ E 55°51’27.2″ Wildcamping
54 27.05.11 154 Iran N 36°47’36.2″ E 57°08’18.7″ Camping (Privatgrundstück)
55 28.05.11 163 Iran N 36°44’11.6″ E 58°28’59.3″ Camping (Privatgrundstück)
56 29.05.11 151 Iran Mashhad Hotel
57 30.05.11 0 Iran Mashhad Hotel
58 31.05.11 134 Iran N 36°18’28.4″ E 60°37’01.8″ Wildcamping
59 01.06.11 141 Turkmenistan N 36°58’38.2″ E 60°57’16.3″ Wildcamping
60 02.06.11 178 Turkmenistan N 37°36’37.2″ E 61°57’11.6″ Camping (Privatgrundstück)
61 03.06.11 141 Turkmenistan N 39°00’12.2″ E 63°33’22.1″ Camping (Privatgrundstück)
62 04.06.11 25 Turkmenistan Türkmenabat Hotel
63 05.06.11 143 Usbekistan Bukhara Hotel
64 06.06.11 0 Usbekistan Bukhara Hotel
65 07.06.11 0 Usbekistan Bukhara Hotel
66 08.06.11 176 Usbekistan N 39°56’30.1″ E 65°59’24.9″ Camping (Privatgrundstück)
67 09.06.11 100 Usbekistan Samarkand Hotel
68 10.06.11 0 Usbekistan Samarkand Hotel
69 11.06.11 132 Usbekistan N 40°05’11.1″ E 68°09’56.4″ Dachgeber
70 12.06.11 157 Usbekistan N 40°35’09.9″ E 69°12’07.8″ Wildcamping
71 13.06.11 137 Usbekistan N 41°02’42.3″ E 70°09’50.9″ Wildcamping
72 14.06.11 133 Usbekistan Kokand Hotel
73 15.06.11 119 Usbekistan N 40°43’07.5″ E 72°07’21.6″ Wildcamping
74 16.06.11 74 Kirgistan Osh Hotel
75 17.06.11 98 Kirgistan N 40°13’14.7″ E 73°28’29.0″ Wildcamping
76 18.06.11 70 Kirgistan N 39°47’57.8″ E 73°13’54.8″ Wildcamping
77 19.06.11 90 Kirgistan N 39°38’54.4″ E 73°49’46.7″ Wildcamping
78 20.06.11 136 China N 39°44’16.3″ E 75°00’55.3″ Wildcamping
79 21.06.11 122 China Kashgar Hotel
80 22.06.11 0 China Kashgar Hotel
81 23.06.11 171 China N 39°48’47.5″ E 77°33’25.1″ Wildcamping
82 24.06.11 124 China N 40°09’15.7″ E 78°49’19.0″ Wildcamping
83 25.06.11 131 China N 40°48’33.8″ E 79°57’41.2″ Wildcamping
84 26.06.11 152 China N 41°23’14.5″ E 81°15’55.2″ Wildcamping
85 27.06.11 164 China Kuqa Hotel
86 28.06.11 163 China N 41°57’00.7″ E 84°39’58.7″ Wildcamping
87 29.06.11 136 China Korla Hotel

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Monotone Dürre http://goeast.cc/?p=2246 http://goeast.cc/?p=2246#comments Thu, 30 Jun 2011 07:49:09 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2246

Zwei Halbwüchsige breiten mit ihren dreckigen Händen eine quadratmetergroße Teigmasse in einem dunkeln Hinterraum des Lokals aus. Der Teig liegt auf einem gemauerten Steintisch, der von Öl und Dreck überzogen mittlerweile eher schwarz als weiß ist. In gleichmäßigen Intervallen zieht der Kürzere der Beiden mit gekonnter Technik lange Teigstücke aus der Fläche, die aussehen wie Spaghetti. Er rennt mit beiden Armen und den Nudeln vor sich ins Freie, wo er sie in einen riesigen Kessel mit brodelndem Wasser einrührt.
Zu gleicher Zeit hebt der Chef des Hauses eine rostige Axt in die Höhe, mit der er voller Freude, das kann man an seinem Gesicht ablesen, einzelne Stücke von der Hammelhälfte abschneidet, die seit Stunden in der Sonne im Freien herumbaumelt. Das tote Tier ist von Fliegen übersäat und gleichzeitig ertönt ein lautes Knacken, denn die Axt zerteilt mühelos einen Knochen als er voller Wucht auf den Holzblock haut. Das Fleisch-Fettgemisch wandert sogleich in einen Wok, in dem schon längst heißes Öl brutzelt.
Dreißig Augen starren mich ungläubig an als wäre ich nicht von dieser Welt. Das bärtige Bleichgesicht hat doch tatsächlich nun schon die dritte Portion „La mian“ geordert. Man ist sichtlich gut gelaunt und klatscht in die Hände als auch diese Mahlzeit in unsere Mägen wandert. Die frischen Nudeln, das lecker und scharf gewürzte Gemüse mit ein wenig Hammelfleisch ist eine Spezialität der Uiguren in Westchina und wir essen sie genüsslich mehrere Male am Tag.

"La mian", Gemüse mit handgezogenen Nudeln

Kontinuierlich drehen sich die Beine im Kreis und das Fahrrad schiebt sich auf dem guten chinesischen Asphalt vorwärts. Seit hunderten Kilometern fahren wir durch die Hitze. Links von uns beginnen die Berge. Manchmal sieht man unterschiedliche Steinschichten in den unterschiedlichsten Farben übereinander aufgeschichtet. Rechts von uns ist die Taklamakan-Wüste. Viele hundert Kilometer dehnt sich die zweitgrößte Sandwüste der Erde nach Osten aus und wir bewegen uns genau zwischen diesen beiden Welten. Das einzige, spärliche, abwechslungsreiche Highlight für das Auge sind die Güterzüge, die auf der Bahnlinie neben uns zwei, drei Mal am Tag die Wüste durchqueren.
Abschnitte von hundert Kilometern ohne einen Baum, einen Strauch, irgendetwas, das Schatten wirft oder sogar eine Siedlung zu sehen, sind keine Seltenheit. Tagelang bläst der Wind heftig in unsere Gesichter. Wir müssen uns motivieren zu fahren. Die Landschaft ist so eintönig und unabwechslungsreich, dass nur noch die Gedanken im Kopf bleiben.
Manchmal erreiche ich einen Zustand, der an Meditation erinnert. Die Beine bewegen sich von alleine und es fühlt sich an als wären Körper und Geist entkoppelt. Die Gedanken driften ab und Erinnerungen, die sich ganz tief hinten im Kopf vergraben haben, kommen wieder hervor. Wunderbare Erlebnisse, die fast schon in Vergessenheit geraten wären. Und dann wacht man wieder auf: „Ah, ich sitze auf dem Fahrrad und fahre durch die Wüste. Okay.“

Unser Ausblick für hunderte Kilometer

Lange Zeit fahren wir auf einer vierspurigen Schnellstraße, die noch im Bau befindlich und daher für Kraftfahrzeuge noch nicht geöffnet ist. Auf perfektem Asphalt werden wir von den Arbeitern nett gegrüßt und durch die Absperrungen gewunken.

Nach einigen intensiven Fahrtagen, deren Ablauf immer dem selben Schema folgt, finden wir abends eine kleine Oase in der Wüste. An einem Fluss entlang gibt es Vegetation, das Grün ist ein Lichtblick bei all dem trostlosen, staubigen Ausblick in die endlose Wüste. Auf einem kleinen Rasenstück machen wir es uns gemütlich und entdecken die orange leuchtenden Früchte der Schatten spendenden Bäume. Saftige, süße Aprikosen hängen von ihnen herunter und wir essen so viel von ihnen bis die Mägen schmerzen.
Selbst das von Sand und Erde ziemlich dreckige Wasser des Flusses ist noch sauberer als unsere Haut. Ein Bad im reißenden Strom, der von mannshohem Schilf eingefasst wird, ist erfrischend und belebend wie kaum etwas anderes. Selbst in den wenigen Orten, die wir in der letzten Zeit passiert haben, gibt es kein fließendes Wasser und die spärlichen Reserven, die die Menschen sich sammeln, reichen nur knapp zum Händewaschen aus.

Wir zelten auf der Farm einer kleinen ugurischen Familie. Sie bewirtschaften vier Hektar Land und sind zurückhaltend, aber sehr freundlich und interessiert

Ein exemplarischer Eindruck der Dörfer, die wir durchfahren

Die Chinesen kopieren alles, sogar die Front deutscher Autos

Meine Reise ist nun fast beendet und die Zielgerade erreicht. Nach über 10.000 Kilometern in knapp drei Monaten fliege ich von Urumqi zurück in die Heimat. Während Meter um Meter an meinem Auge vorbeirasen, denke an die vergangenen Erlebnisse zurück und gehe im Geist die Etappen unserer Tour durch: der Tag des Abschieds von Freunden und Familie, die ersten zähen Kilometer, wo mir der bevorstehende Berg an Anstrengung Kopfzerbrechen bereitete. Ich erinnere mich daran, wie wir langsam schafften uns mit dem Projekt zu identifizieren und nach ein, zwei Wochen mit Herz und Seele dabei waren. Wir fuhren durch Täler und über Berge, die uns alles abverlangten. Ich muss mich anstrengen alle diese Eindrücke abzuspeichern, denn es kommt einem vor als lägen sie bereits Jahre zurück.
In all diesen Wochen habe ich viel gelernt. Viel über Menschen und ihr Leben, über Essensgewohnheiten, Gastfreundschaft und politische Unterdrückung. Über Wünsche und Sehnsüchte von unseren Begegnungen und manchmal auch Verzweiflung ob ihres Daseins.
Aber ich habe auch mich selbst besser kennen gelernt. Es ist interessant die körperlichen und geistigen Grenzen zu er“fahren“. Wir versuchten die unterschiedlichsten Anforderungen mit Hagel in Deutschland, Schnee in Bulgarien, schlechten Straßen und Gewitter in der Türkei, Wüste im Iran, dem 3600m hohen Pass, unendlich langen Steigungen und Nachtfrost in Kirgistan oder der endlosen Dürre in China irgendwie durchzustehen und ständig aus einer unendlichen Quelle Motivation zu schöpfen. Ich bin mir sicher, dass diese Erfahrungen von unschätzbar großem Wert sind und ich bin glücklich, dass alles ohne große Probleme abgelaufen ist.
Auch ist mir klar geworden, dass sich jedes noch so große Ziel erreichen lässt, wenn man es in kleine Teiletappen einteilt. Wenn man nur einen überschaubaren Bereich vor sich hat und dann langsam zum nächsten übergeht. Irgendwann hat man das große Ganze erreicht und vielleicht ist es dann so unvorstellbar groß, dass man es kaum glauben kann.
Nicht zuletzt habe ich in Thomas einen guten Freund gefunden und wünsche ihm alle Kraft der Welt für die weiteren vier Wochen nach Hong Kong, wo dann auch seine Reise endet.

Zwischen Kuqa und Korla in China haben wir die 10.000-Kilometer-Marke erreicht

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Was esst ihr sonst eigentlich? http://goeast.cc/?p=2242 http://goeast.cc/?p=2242#comments Wed, 22 Jun 2011 07:02:18 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2242

Das Essen in Zentralasien ist, entgegen der Schauerberichte, die ich im Voraus gelesen habe, durchaus nicht schlecht. Ziemlich fettig ist das in fast allen Speisen verwendete Hammelfleisch allerdings. Von Nudeln und Reis als Beilage wird man aber ganz gut satt und für eine komplette Mahlzeit muss man selten mehr als einen Euro bezahlen.

Lahmacun in Tatvan, Türkei

Hühnchen, Reis und Salat in der Türkei

Lahmacun in Senirkent, Türkei

Gefüllte Paprika, Moussaka und Reis kurz vor Konya

Schaschlik und Zamzam-Cola mit Alfred im Iran

Omelette mit Tomatensoße in Maimi, Iran

Omelette mit Tomatensoße in Jajarm, Iran

Reis mit Hühnchen in Sultanabad, Iran

Hühnchenspieße mit Zwiebeln in Türkmenabat, Turkmenistan

Tortellini und Salat in Usbekistan

Burger, Pommes und Bier mit Peter und Tom in Bukhara, Usbekistan

Plow in Navoi, Usbekistan

Schurpa mit Brot in Usbekistan

Gemeinsames Abendessen im Bahodir Guesthouse, Samarkand

Plow mit Ingo in Samarkand, Usbekistan

Samsa in Usbekistan

Plow in Bekabad, Usbekistan

Laghman mit Kevin in Osh, Kirgistan

Nudeln mit Tomaten, Gurken und Spiegelei in Gulcha, Kirgistan (nachdem wir der netten Dame erklären mussten, wie man Nudeln zubereitet)

La mian in China

La mian mit Jonathan in China

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Vom Gebirge in das Weltreich http://goeast.cc/?p=2238 http://goeast.cc/?p=2238#comments Tue, 21 Jun 2011 16:08:06 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2238

Wasser prasselt auf das Zeltdach hinab. Ich liege im durchgewärmten Schlafsack und schaue auf die Uhr: Aufstehenszeit. Ich öffne die Reißverschlüsse und riskiere einen Blick nach draußen. Der Himmel ist dunkelbraun, fast schwarz, auf der Straße staut sich das Wasser und es regnet weiterhin in Strömen. Wir befinden uns in einem Tal, das von einer kirgisischen Passstraße durchschnitten wird, in dem sich neben reißendem Fluss und Straße nur schwerlich ein ebener Platz für die Zelte finden lässt. Mein Blick wandert talaufwärts und auch dort sieht man nur Nebelschleier und im Vordergrund Grashalme, an deren Spitzen sich Wassertropfen sammeln. Selbst dem Grashüpfer ist es zu ekelhaft, daher gesellt er sich lieber zu mir ins Trockene.
Ich drehe mich noch einmal um und wache erst zwei Stunden später wieder auf. Wir nutzen eine kurze Regenpause, um die Zelte einzupacken und die Fahrräder für den Tag fertig zu machen. Meine Stimmung ist etwas getrübt, denn eigentlich liegt heute ein Highlight vor uns. Der 3615m hohe Taldyk-Pass ist der höchste Punkt unserer Reise und soll eine wunderschöne Aussicht bieten. Mit Regen und unasphaltiert-schlammiger Straße und die Aussicht störender Nebelsuppe ist das natürlich nur halb so schön. Nichtsdestotrotz beginnen wir den Anstieg, der sich insgesamt über fast 100 Kilometer hinzieht.

Bereits am Vortag starteten wir von Osh in die Berge. Wir sahen traumhafte Landschaften, grüne Felder, Nomaden, Jurten und umherwandernde Esel, Pferde, Schaf- und Kuhherden. Die Kirgisen unterscheiden sich optisch sehr von den Menschen unserer zuletzt besuchten Länder. Ich finde sie sind zentralasiatisch mit einem chineischen Touch. Und sehr anmutig sehen sie aus, wenn sie als Nomaden auf ihrem großen Pferd sitzend über die Felder stolzieren.

Wir entscheiden uns noch einen Tag am Fuße des Passes zu warten, in der Hoffnung auf besseres Wetter am kommenden Morgen. Die Entscheidung war richtig, morgens ist keine Wolke am Himmel und so kriechen wir die Passstraße, die nur aus einem geschotterten Weg besteht, langsam hinauf. Chinesische Arbeiter und schwere Maschinerie sind hier anzufinden, da man versucht die Handelsrouten nach Westen auszubauen. Die Kirgisen freuen sich über das Engagement, denn so kommen sie zu einer besseren Infrastuktur.
Den ganzen Tag bewegen wir uns auf über 3000m Höhe und fahren durch ziemlich einsame Landschaften. Um uns herum sind noch viel höhere Berge, die Kuppen sind schneebedeckt und ich fühle mich ziemlich klein und nichtig bei dieser Gewaltigkeit der Natur. Nur ab und an gibt es ein paar Nomadenjurten, erstaunlich oft steht daneben ein Audi oder Mercedes. Das ist also der moderne Nomade. Kochen mit Holz, Wasser aus dem Gebirgsbach, keinen Stromanschluss und immer den Launen der Natur ausgesetzt. Aber ein solides deutsches Auto kann man dann doch fahren. Vielleicht zum Friseur in die 200 Kilometer entfernte Stadt, um die neuesten Rezepte für vergorene Stutenmilchbällchen auszutauschen?

Wir fahren ein paar Tage zusammen mit Jonathan, einem belgischen Radfahrer in meinem Alter. Er ist seit neun Monaten unterwegs und hat nur kurz bevor die Aufstände in den nordafrikanischen Ländern begannen, eben diese durchquert. Zu dritt passieren wir die chinesische Grenze und wir sind alle ein wenig gerührt. Wir haben das letzte Land unserer Reise erreicht. Es gibt keine weiteren Grenzübertritte und wir sind erfreut, dass unser Vorhaben doch erfolgreich war. Noch immer sind wir auf enormer Höhe unterwegs und kurioserweise stellt die Grenze zwischen Kirgistan und China auch eine Veränderung von Landschaft und Temperatur da. Rotbraunes Gestein in steppenähnlicher Umgebung dominiert nun das Bild. Im weit entfernten Hintergrund kann man ab und an einen Blick auf schneebedeckte Berge erhaschen und auch warm ist es endlich wieder.
Wir sind abgesehen von einer Hand voll Lastwagen die einzigen Benutzer der Straße, die über zweihundert Kilometer durch nicht viel anderes als einsame Natur führt.

Kurzes Frühstück am Straßenrand beim Irkeshtam-Pass

Ein ziemlich schäbiger Grenzposten für so ein großes Land

Reifenpannen (die fünfte bisher) passieren natürlich immer dann, wenn man ohnehin schon von vielen Leuten umringt wird

Schließlich erreichen wir Kashgar an einem Kreuzungspunkt der alten Seidenstraße. Nach Tagen in Einsamkeit und fast unberührter Natur bin ich vom Leben in den Straßen, den wuselnden Chinesen und der vorhandenen Infrastruktur ein wenig überwältigt.

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Ein Land mit tausend Seiten http://goeast.cc/?p=2235 http://goeast.cc/?p=2235#comments Tue, 14 Jun 2011 17:45:04 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2235

Wir erreichen Samarkand, eine weitere bedeutende Stadt entlang der Seidenstraße. Das Aushängeschild der Stadt ist das Registan, der antike Hauptplatz. Mir gefällt der Baustil der alten Gebäude, die mit Ziegelsteinen gemauert und mit blauer Farbe verziert sind. Hier findet man echte Geschichte und sieht jahrhundertealte Handwerkskunst im Vergleich zu Moscheen in den vorherigen Ländern, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie sehen zwar auch nett aus, aber ihre Substanz ist ein neumodischer Betonklotz mit goldener Farbe auf der Kuppe.

Registan in Samarkand

Zwei Franzosen sind mit einem alten Citroen 2 CV auf dem Weg nach Zentralasien. Danach geht es über Russland wieder in die Heimat.

Mein Schwager nimmt die lange Reise aus Deutschland auf sich und bringt uns, nicht ohne selbst ziemlich viel Spaß an dem Kurztrip zu haben, ein paar Ersatzteile vorbei. Wir verbringen einen Tag in Samarkand, essen reichlich und landen sogar in einem usbekischen Badehaus. Das Hammam ist spärlich besucht, aber eine solch traditionelle und gründliche Wäsche ist bei mir offensichtlich dringend nötig. Nach zwei Runden, die aus saunieren, duschen, einseifen, waschen, duschen und schwimmen bestehen, fühle ich mich wie neugeboren.
Das Badehaus ist im Keller eines Gebäudes und durch verstaubte Fenster in der Kuppel eines jeden Raumes fällt nur spärliches Licht. Hier und da brennt eine schummerige Glühbirne, die mit surrendem Geräusch alle paar Sekunden ihre Helligkeit verändert. Die einzelnen Räume sind durch schmale Gänge verbunden, in denen man geduckt gehen muss, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Im Sauna-Bereich fällt das Atmen schwer und der Steinboden ist glühend heiß. Nach Sekunden rinnt mir der Schweiß herunter, aber das ist okay, wenn man weiß, dass die nächste Abkühlung nicht weit entfernt ist.
Letztendlich ist die Haut ist wieder von Staub, Sand, Dreck und Sonnencreme befreit. Ein Wellness-Tag für Radreisende.

Als wir unseren Weg nach Kirgistan wieder aufnehmen, machen wir Mittagspause in einem Restaurant. Fast wollen wir schon wieder aufbrechen, da tritt jemand mit einer Herausforderung zum Billard an mich heran. Die nehme ich gerne an. Kurz darauf muss ich feststellen auf welch kuriose Weise hier gespielt wird. Die Kugeln sind wesentlich größer als üblich, die Taschen dafür aber kleiner. Möchte man eine Kugel einlochen, bleiben links und rechts von ihr höchstens zwei Millimeter Spielraum. Da man eine solche Präzision auf diesem Tisch nicht hinbekommt, da er ebenso schief und hügelig ist wie die usbekischen Straßen, versuchen die Einheimischen einfach mit möglichst viel Gewalt Glückstreffer zu landen. Der Queue wird nicht als Präzisionswerkzeug verwendet, sondern als Ritterschwert, mit dem man durch Schleudern versucht irgendetwas zu erreichen.
Kaum bin ich wieder zurück im Restaurant, werden wir ein weiteres Mal von unserem Aufbruch abgehalten. Eine Gruppe älterer Männer läd uns zum Bier ein. Wir gesellen uns dazu und einige Minuten später vergrößert sich die Truppe durch Neuankömmlinge. Es stellt sich heraus, dass hier Ausnahmslos Lehrer und Ärzte versammelt sind. Man hat wohl nicht viel Zeit und so befiehlt der Goldzahn-bestückte Anführer direkt, dass viel Salat, Brot, Dip, Fleisch sowie Vodka und Bier gebracht werden sollen. Das folgende Prozedere wiederholt sich nun mehrere Male. Ein Mann der Gruppe steht auf und hält einen Monolog, danach wird sich zugeprostet und man versucht möglichst schnell den Vodka zu leeren. Er wird in kleine Schälchen gefüllt und als Demonstration, das man wirklich den letzten Tropfen in sich geschüttet hat, haut man die Schale so schnell wie möglich umgekehrt auf den Tisch. Der beste Trinker wird gelobt und danach wird wieder aufgefüllt und nur wenige Minuten später beginnt das Spiel von vorne.
Nach kurzer Zeit sind die meisten schon am Lallen, wir haben anfangs geschummelt, da wir uns eine Vodka-Müslischale zu zweit teilten. Mein Sitznachbar schiebt mir freudig ein Stück Hammelfleisch auf den Teller. Allerdings ist kein Fleisch an dem langen Knochen zu erkennen. Einzig eine glibberig-weiße Fettmasse in der Größe einer Zigarettenpackung hängt lustlos herunter. „Ähh, danke!“
Eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Die Versammlung löst sich auf, vielleicht müssen die Professoren wieder in die Uni oder die Ärzte zurück ins Krankenhaus?
Als wir auf die Fahrräder steigen, wird uns erst bewusst wieviel des russischen Vodkas, den man fast wie Wasser trinken kann, wir eigentlich so hatten.

Ähnliches wiederfährt uns einen Tag später. Drei Männer vom Nebentisch laden uns zu Plow und Vodka ein, diesmal findet aber nur eine überschaubare Anzahl von Vodkaschüsseln in unsere Mägen. Man versucht uns zu überzeugen, dass man das Reisgericht von der großen Platte auf der Mitte des Tisches traditionell mit den Fingern isst. Man drückt es zu einem Ballen zusammen und schiebt es sich dann irgendwie in den Mund. Thomas verbrennt sich die Finger bei dem Versuch und der Alte neben ihm versucht ihm wehement mit seiner eigenen Hand und dunkelbraunen Fingernägeln den Reis in den Mund zu stopfen. Thomas wehrt sich und ich amüsiere mich köstlich. Und bleibe beim Vodka.

1kg Plow in Bekabad

Als wir an einem Mittag in Bekabad, einer gar nicht so kleinen Stadt, ankommen, werden wir beim Besuch des Basars von Menschenmassen umringt. Ganz neu ist die Neugierde der Einheimischen nicht, aber diesmal waren es wirklich ziemlich viele. Sie sind nicht aufdringlich, aber durchaus neugierig und dreißig oder mehr Münder plappern ununterbrochen auf Usbekisch auf uns ein.
Die Stadt liegt an der tadjikischen Grenze und ist weit abseits der Hauptstraßen, die durch das Land führen. Offensichtlich hat man hier noch nie einen europäischen Touristen gesehen.

Wir bahnen uns den Weg aus dem Getümmel und sehen fast schon am Ortsausgang einen Kanal neben der Straße, in dem ein paar Menschen baden. In der Mittagshitze kommt uns das als Abkühlung gerade recht und so springen wir auch ins kühle Nass. Die Strömung ist enorm und ich schaffe es mit aller Kraft nicht stromaufwärts zu schwimmen. Daher laufen die Leute hundert Meter nach oben und springen dann auf allerlei Arten ins Wasser. Man lässt sich runter treiben und muss dann an geeigneten Stellen irgendwie den Weg aus dem schrägen Kanal finden.

Felder und Sonnenuntergang. Könnte fast in Deutschland sein, oder?

Wir campen nach einem harten Tag mit Ausblick auf Industrieidylle. Eine kilometerlange Grube, die von einem Staudamm begrenzt wird, fällt direkt neben unserem Zeltplatz steil ab. Abends ist noch wunderbarer Sonnenschein, aber als es dunkel wird, kommt Wind auf, der sich später zu einem Sturm wandelt. Der Wind peitscht seitlich gegen die Zeltwände und reißt es fast mit. Blitz und Donner kommen auch noch dazu und kurz darauf gewittert es wie aus Eimern. Wir sind irgendwo im Nirgendwo und es fühlt sich an als würde die Welt untergehen.
Ich setze mich aufrecht in das Zelt und halte mit aller Kraft die Stangen fest, aber bei einigen Böen reicht meine Kraft nicht aus und das Zelt neigt sich gefährlich schief in den Wind und droht abzuheben.
Nach Stunden ist alles vorbei und als ich nach der schlaflosen Nacht morgens aus dem Zelt steige, begrüßt mich die Sonne als wäre nie etwas geschehen.

Der Abend, da war alles noch in Ordnung

Wir überwinden einen 2200m hohen Pass, um in das Ferghanatal zu gelangen, das dichtbesiedelste Gebiet Zentralasiens. Durch das heiße Klima und viele Flüsse ist es enorm reich an Landwirtschaft und an den Straßen findet man noch mehr Aprikosen-, Melonen- und Gemüseverkäufer als überall sonst in Usbekistan.
Der Anstieg ist 15 Kilometer lang mit 12% Steigung. Wir machen uns zunutze, dass ein LKW langsam vor uns den Berg hochkriecht und halten uns kurzerhand an ihm fest. Der Beifahrer gibt uns Tücher heraus, damit die Finger nicht so schnell einschlafen. Zwischendurch treten wir etwas mit und erreichen nach gefühlten Ewigkeiten den Gipfel. Ab dort geht es vierzig Kilometer bergab und wir müssen kein einziges Mal in die Pedale treten. Thomas und ich sind uns einig, dass wir noch nie eine so rasante, lange und wunderschöne Abfahrt gefahren sind.

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Oase an der Seidenstrasse http://goeast.cc/?p=2231 http://goeast.cc/?p=2231#comments Thu, 09 Jun 2011 10:09:41 +0000 Valentin http://goeast.cc/?p=2231

Restaurantbesitzer, die unbedingt ein Foto von sich gemacht haben wollen

Bukhara ist die erste große Stadt in Usbekistan, die wir erreichen. Offensichtlich ist Bukhara auch bei Europäern ein beliebtes Ziel, denn wir treffen zum ersten Mal auf unserer gesamten Tour auf Reisegruppen, die sich die wirklich schöne Altstadt ansehen. Schaut man hinter die Kulissen oder klopft mal an die massiv aussehenden Steinwände mancher Gebäude, merkt man, dass hier etwas hohl ist. Viel wird wohl nur als Fassade für die Touristenströme aufgezogen, obwohl man nicht von der Hand weisen kann, dass die Stadt eine lange Historie hat. Verlässt man die Altstadt nach Süden, hören die anmutigen Ziegelsteinbauten schlagartig auf und der eigentliche Baustil der Usbeken kommt zum Vorschein.

Im Umkreis von hundert Metern um den zentralen Platz Lyabi-khauz, der mit einem um 1620 angelegten Wasserbecken ausgestattet ist, gibt es dutzende Hotels. Wir treffen hier fast alle Leute wieder, die wir in den letzten zwei Wochen kennen gelernt haben. In der kompakten, aber wunderschönen Altstadt läuft man sich zwangsläufig über den Weg und wir tauschen aktuelle Erfahrungen aus.
Eine interessante Geschichte haben zwei Engländer zu berichten, die sich aus Zufall in Südkorea kennen gelernt haben. Sie wanderten dorthin aus und arbeiteten als Englischlehrer. Nach knapp einem Jahr kam die Idee auf mit dem Fahrrad wieder in die Heimat zu fahren und als genügend Geld gespart war, nahmen sie die Idee in Angriff. Als wir sie in Usbekistan treffen, haben sie China bereits komplett durchquert und geben uns ein paar nützliche und interessante Informationen.
Im Vergleich zu unserer Detailplanung sind sie allerdings relativ unorganisiert. Auf Landkarten verzichten sie vollkommen, was einmal dazu führte, dass sie in Kirgistan tagelang insgesamt 800 km in die falsche Richtung fuhren.
Alle anderen sind wie wir in die entgegengesetzte Richtung, nach Osten, unterwegs. Im Gegensatz zu uns haben sie alle ziemlich viel Zeit, meist mehrere Jahre, sind komplett ohne Zeitlimit unterwegs oder reisen nach dem Motto „solange das Geld reicht“. Ich liebe das Reisen, aber für eine solche Dauer wäre das für mich unvorstellbar. Auf lange Sicht nie zu wissen, wo man am Abend landet, immer wieder die selben Fragen „wo kommst du her?“, „wo gehst du hin?“ beantworten, die tägliche, ungewisse Suche nach einem Schlafplatz auf sich nehmen und dabei ständig sein komplettes Hab und Gut auf dem Fahrrad mitschleppen. Das alles macht mir durchaus Spaß, aber als kompletter Lebensinhalt wäre es mir zu wenig.

Wenn wir anhalten, um etwas zu trinken, etwas im Reiseführer nachzuschauen oder uns kurz zu beraten, werden wir meist innerhalb von kurzer Zeit von vielen neugierigen Leuten umringt. Wir geben zu verstehen, dass wir mit dem Fahrrad aus Deutschland kommen, aber leider weder Usbekisch, noch Russisch sprechen. Trotzdem brabbelt man weiter fröhlich auf uns ein. Eigentlich versuche ich dann immer mit Gestiken weiter zu machen, aber das hilft hier nicht mehr. Daher haben wir uns überlegt einfach auf unserer Sprache genau wie sie irgendetwas zu reden.
Eine typische Konversation:
Usbeke: „bla bla bla“ auf Usbekisch/Russisch
Ich: „Germanje“ („Deutschland“, das ist meist die richtige Antwort auf die erste Frage)
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „No Russki“
Usbeke: „bla bla bla“
Usbeke: „bla bla bla“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „Ja, es geht uns gut, wir sind auf dem Weg nach Samarkand und werden gleich unter den Bäumen da vorne unsere Melone aufschneiden, die schmecken nämlich ziemlich gut hier bei euch.“
Usbeke: „…“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „Ziemlich heiß, stimmt. Aber der Fahrtwind kühlt ganz gut. Wir stehen immer recht früh auf, morgens fährt es sich dann recht angenehm. Nach einer langen Mittagspause geht es dann weiter sobald es ein bisschen abgekühlt hat.“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „bla bla bla“
Und irgendwie ist es dann doch ein Gespräch, das allen Spaß macht. Alle haben ein Grinsen auf dem Gesicht und die Verabschiedung ist herzlich. Es ist fast wie eine Unterhaltung mit manchen Personen auf Deutsch, die gar nicht zuhören, wenn mal der andere am Reden ist.

Peter beim Fahrrad putzen in den kleinen Gassen Bukharas

Ich will mir mal wieder die Haare kurz rasieren lassen und kurz darauf kommt ein Friseur mit einer Plastiktüte voller Utensilien in unser Hotel. Nachdem ich fertig bin, entschließt sich Thomas auch seine Mähne abschneiden zu lassen. Der Friseur ist noch nicht ganz fertig, da steht vorne noch ein langes Büschel Haare ab, der Rest ist schon kurzrasiert. Thomas entschließt sich das mal so beizubehalten. Warum auch nicht!

Usbekistan gefällt mir sehr gut und ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Turkmenistan. Die Menschen sind nett und aufgeschlossen und es gibt Infrastruktur in Form von Läden am Straßenrand oder Hotels in Städten (ja, solche einfachen Dinge sind in manchen Ländern nur sehr spärlich gesät).
Wir probieren zum ersten Mal Plow, das Nationalgericht. Dabei handelt es sich um Reis mit Zwiebeln, Karotten und Hammelfleisch, das in riesigen Töpfen lange Zeit gegart wird. Hammel ist generell ein sehr fettes Fleisch, aber dass sich daumengroße Fettklumpen im Essen befinden, hätte ich nicht erwartet. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deswegen, ist Plow eine der besten Speisen, die wir seit vielen Tagen gegessen haben.
Bezahlen müssen wir mit einem Stapel von Geldscheinen, denn der größte verfügbare Schein ist nur etwa 40ct wert. Überall sieht man daher Leute unmengen an Geld durchzählen. Die Geldwechsler auf dem Schwarzmarkt sind sogar mit Sporttaschen voller Scheine unterwegs. Warum führt man da nicht einfach größere Geldscheine ein?

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Tag 54 http://goeast.cc/?p=2227 http://goeast.cc/?p=2227#comments Wed, 08 Jun 2011 12:49:48 +0000 Thomas Deutsch http://goeast.cc/?p=2227

Wie geplant stehen wir richtig früh auf. Schon um kurz nach 7 sind wir unterwegs. Hier im Dorf ist es noch ruhig und wir kommen tatsaechlich weg, ohne noch auf ein Frühstück eingeladen zu werden. Man wird oft herangewunken, und es tut mir oft leid, dass wir keine Zeit haben, auf jedes Angebot einzugehen. Wir wurden noch von der Sonne geweckt, aber jetzt ziehen Regenwolken auf. Der Regen ist hinter uns und wir lassen uns vom starken Wind, der mit dem Regen aufkommt, durch die Dörfer pusten. Immer am Rand des Regens fahren wir ca. 3 Stunden, bevor die Strasse plötzlich aufhoert. Der Regen holt uns ein und wir fahren bei Nieselregen über diese Schotterpiste. Die Freude am Morgen über das leichte Vorrankommen wandelt sich schlagartig. Inzwischen sind wir es gewohnt und wissen auch, dass so ein Tag auf dem Fahrrad viele Überraschungen mit sich bringt. Wir erreichen nach ca. 25km Piste dann wirklich eine grosse Stadt. Der Regen hört auf und auch der Wind dreht sich wieder. Nach einem Mittagessen fahren wir dann weiter Richtung Mashad und jetzt mit Gegenwind. Die Landschaft entschädigt aber jetzt für alles. Wir fahren aus dem Tal zurück in die Berge. Und fahren bis zum Ende des Tages. Wir entscheiden uns für eine Farm als Unterkunft und möchten unsere Zelte dort auf einem der Felder aufschlagen. Der Farmer ist einverstanden und zeigt uns einen tollen Platz. Wir bauen die Zelte auf und werden dann noch zum Abendessen eingeladen. Diese Leute hatten nicht viel, und es war uns leider unmöglich diese Einladung abzulehnen. Manchmal ist es zu viel Gastfreundschaft. Ich lerne von dem Farmer noch ein paar Wörter, obwohl es ja auch schon reichlich spät ist und wir in paar Tagen das Land schon verlassen werden. Aber er erklärt es so lustig, so dass ich mit ihm noch meinen kompletten Wörterzettel durchgehe.


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Tag 53 http://goeast.cc/?p=2223 http://goeast.cc/?p=2223#comments Wed, 08 Jun 2011 12:43:53 +0000 Thomas Deutsch http://goeast.cc/?p=2223

30km hinter Meyamey (Wueste) bis zu einem kleinen Dorf im Nichts
Der vorherige Nachmittag hat mich schon geschafft. Wir fahren gefühlt schon seit Anfang Iran auf Reserve, es ist im Moment wirklich nicht bergig, aber der gestrige Nachmittag war schon nicht mehr erholsam. Die Tagesstrecke ist fernab von allen Hauptstrassen. Bei der Routenplanung in Deutschland habe ich mich sehr darueber gefreut, eine Route gefunden zu haben, die uns fernab der Hauptstrassen Richtung Mashhad führen wird. Jetzt sind wir auf der Strasse und die Freude ist nicht mehr ganz so gross. Ich mache mir etwas Sorgen, dass der Strassenbelag noch schlechter wird, oder wir irgendwann vor einer Schotterpiste stehen. Mit jedem Meter den wir an diesem Morgen fahren wird das Gefuehl aber besser. Wir kommen durch kleine Städte und ich bin mir sicher, nicht mehr sterben zu müssen, da die Versorgung scheinbar kein Problem ist. Es wird der erste richtig heisse Tag auf unserer Tour. Es kommt mir jedenfalls so vor. Hinter einem Dorf beginnt ein 20km langer Wüstenabschnitt und ich bekomme es wieder etwas zu bedenken… zum Glück wird es wieder etwas grüner und wir fahren durch ein langes grünes Tal mit vielen Dörfern. Dieser grüne Abschnitt der Wüste ist es so stark besiedelt, dass wir keinen geeigneten Zeltplatz finden und in einem Dorf unterkommen. Auch an diesem Abend wird uns eine Unterkunft angeboten, da wir aber am nächsten Morgen sehr früh aufstehen möchten, verzichten wir auf das Angebot. Naja, man kann im Iran nicht wirklich darauf verzichten… man braucht schon einen guten Grund um diese schon fast unwirkliche Gastfreundschaft in diesem Land abzulehnen. Wir hatten unsere Zelte schon aufgebaut, so dass wir das dann als Ausrede nutzen konnten, das es zu lange dauern würde die Zelte wieder abzubauen. Alle waren sehr nett, und es tat uns auch leid, dass wir etwas Ruhe für unseren Schlaf wollten. Ich machte noch ein Foto und langsam löste sich der Trubel auf.


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