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Die ersten Tage

Die ersten Tage

9 April 2011 |  by Valentin  |  Share  | 

Die große Reise beginnt. Die Vorbereitungen, die ich in den letzten Monaten traf, sollen jetzt auch in der Praxis Anwendung finden. Dieses Reiseprojekt ist das bisher größte in meinem kurzen Leben und kurz vor dem Start merke ich, dass mir das alles gar nicht so leicht fällt wie gedacht. Die vielen Menschen, die mir ihre Anerkennung und Begeisterung zukommen ließen, möchten nicht enttäuscht werden. Natürlich unternehme ich diese Tour in erster Linie für mich, aber durch die entstandene Öffentlichkeitsarbeit nicht nur im Freundes- und Bekanntenkreis, sondern auch in der Zeitung und im Radio, gibt es Erwartungen.
Die Zweifel „wird wirklich alles gut laufen?“, „sind die Vorbereitungen gut genug?“, „ist ein Tagesschnitt von 130km am Tag wirklich zuviel?“, „hältst du es durch?“ gilt es zu zerstreuen und ich muss lernen mich auf meine Fähigkeiten zurückzubesinnen.

Der Tag der Abfahrt ist schwer für mich, aber auch für meine liebe Familie und Freundin, die sich Mühe geben mich gebührend zu verabschieden. Ich bin kein Freund von einem solchen Trara, aber ich muss gestehen, dass es mich sehr rührt und ich benötige einige Zeit um mit dem Abschied fertig zu werden.
Drei Freunde begleiten mich ein Stück der ersten Etappe und die folgende Einkehr in Gelnhausen auf dem Marktplatz bei Sonne und Weizenbier ist eine tolle Sache. Danach muss ich mich sputen und erreiche mit dem Zug am Abend Kassel, wo ich auf Thomas treffe. Wir haben uns einige Monate nicht gesehen und freuen uns, dass die Tour der langen Planungen nun endlich beginnen kann.

Der rührselige Abschied von Freundin und Familie. Die große Reise kann beginnen.

Anschließend beginnt schon das erste kleine Abenteuer, nämlich meine erste Couchsurfing-Erfahrung. In Kassel werden wir sehr herzlich von Robbin aufgenommen, der uns nicht nur ein leckeres Abendessen bereitet, sondern auch von unsere Reiseplänen sehr angetan war.
Am nächsten Morgen beginnt der erste Radfahrtag, der uns bis nach Erfurt bringen soll. Die geplante Route ist 140 km lang, doch wir stellen fest, dass durch einige Umwege und Irrfahrten die tatsächliche Strecke ein wenig länger ist. Das Wetter ist durchwachsen und es wechseln sich Sonne, Regen und auch mal Hagel im Wechsel ab. Die Etappe ist anfangs hügelig, aber danach schön flach, als wir einem wunderschönen Weg an der Werra folgen. Gegen Abend zeigt sich, dass ich zu wenig gegessen habe. Der Körper will nach etwa 160 km nicht mehr weiter fahren und nur ein Müsliriegel, den mir meine Schwester bei der Abreise zugesteckt hat, bringt wieder etwas Energie.
Ich merke deutlich, dass ich enorm viel Essen muss, damit ich auf Dauer eine hohe körperliche Leistung erbringen kann. In den nächsten Tagen werde ich versuchen das besser zu machen. Ich muss noch lernen, wie man mit einer solchen Belastung auf Dauer umgeht.

Vor der Abfahrt in Kassel

Kurze Rast im leider noch kurzweiligeren Sonnenschein

Nach 21h erreichen wir meinen geschätzten ehemaligen Kollegen Martin in Erfurt. Er nimmt uns herzlich in seiner schönen Altbauwohnung auf und, wie auch der Couchsurfingkollege, präsentiert uns unaufgefordert ein leckeres Abendessen. Dieser Tag geht mit Erschöpfung zuende, aber das Essen und die Gastfreundschaft revitalisieren mich wieder.

Am nächsten Morgen versuchen wir es etwas ruhig angehen zu lassen, da die erste Tagesetappe für einen Einstieg in die Radelroutine deutlich zu lang war. So wird der Vormittag genutzt, um die Schlammspuren an den Rädern zu beseitigen. Mittags brechen wir auf zu einer hügeligen Etappe, wo auf jede Steigung sofort eine Abfahrt folgt. Kräftezehrend. Dank reichlichen Essensvorräten ist die Anstrengung aber kein ernstes Problem.
Nach knapp über 100 km suchen wir uns einen Platz bei einem Bauernhof, wo wir unsere Zelte aufstellen können. Hier tröpfeln nun die Regentropfen auf das Zeltdach und ich finde eine ruhige Minute, um die Gedanken und Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten.<


2 Comments


  1. Wenig Kommentare hier.

    Tolle Photos! Mal gespannt ob ihr die Berichte so die ganze Reise durch zieht. Würde mich freuen.
    Ich bin eben 4km geradelt – durch den Regen bei 10°C und Gegenwind – und dachte mir nur “wenn ich jetzt dran denke, dass es 140 statt 4km wären würde ich durchdrehen”.

    Keep on trolling

  2. Lieber Valentin,

    mit viel Interesse und Neugier verfolge ich deine Reise.
    Nach deinem anschaulichen Bericht und beeindruckenden Fotos
    kann ich mir alles gut vorstellen.
    In einer Woche habt ihr schon viel geschafft und gesehen.
    Ich freue mich, dass du so positive Gefühle von Freiheit und Abenteuer empfindest.
    Überfordert euch nicht und viel essen und trinken bei den Belastungen!
    Wir haben auch eine erste Radtour gemacht, aber nur 25 km.
    Das Wetter war die ganze Woche herrlich.

    Liebe Grüße
    Mama

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