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Surreale Gedanken beim Fahren durch Tschechien

Surreale Gedanken beim Fahren durch Tschechien

9 April 2011 |  by Valentin  |  Share  | 

Die nächste Etappe führt uns über Klingenthal in Deutschland und Karlsbad in Tschechien. Letztere Stadt begeistert mich als weltbekannter Kurort durch ihre Architektur und die wunderschöne Einkaufspassage.

Karlsbad

Karlsbad

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir nicht vorstellen die nächsten vier Monate nichts anderes zu tun als in die Pedale zu treten. Ich hoffte, dass sich mit der Zeit die Routine eines Radfahrertages einstellt und ich mich mehr und mehr auf die positiven Eigenschaften der Reise konzentrieren kann.
Nach zwei weiteren Tagen entsteht dieses Gefühl auch tatsächlich langsam. Die Identifikation mit der Reise kommt auf. Bestand anfangs noch ein distanzierter und unwirklicher Blick auf die kommenden Tage und Wochen, so ist es jetzt zur schönen Wahrheit geworden die Freiheit die Welt zu erkunden dauerhaft genießen zu können.

Wildcampen im Tschechischen Wald

Wenn man in einem Kraftakt einen lang andauernden Anstieg bezwingt und anschließend mit leichtem Rückenwind in Bergabfahrt durch märchenhafte Wälder, Felder mit grandiosem Ausblick, vorbei an fast unberührten Flüssen und Seen rollt, dann ist das ein hohes Glück von Freiheit. Wahrscheinlich ist es das Gefühl, das jeder vermisst, der nicht frei ist.

Einer der zahlreichen tollen Ausblicke entlang der Strecke

Die Tage in Tschechien sind schön und von sich wandelnden Landschaften bestimmt. Im Rücken weht meistens der Wind und es ist fast durchweg sonnig und trocken. Wir haben Glück.
Wir sind kostengünstig unterwegs, wir campen entweder wild im Wald oder suchen uns ein anderes Fleckchen, um unsere kleinen Zelte aufzustellen. An einem Abend finden wir zu einem Campingplatz, der wunderschön an einem Fluss gelegen ist. Die Rezeption ist wie ausgestorben und bei näherem Hinsehen stellen wir fest, dass auch sonst keine Gäste auf dem riesigen Platz sind. Wir suchen uns ein verstecktes Plätzchen und stellen unsere Zelte auf. Um uns kurz zu waschen, steigen wir die Böschung an den Fluss hinab und werden dabei von einem Anwesen gegenüber von einem Ehepaar beobachtet. Wir befürchten, dass das die Besitzer des Platzes sein könnten, die es gar nicht gut finden, wenn sich einfach zwei Leute auf ihrem Grundstück breit machen.
Tatsächlich kommt der Mann vorbei, allerdings nicht mehr am Abend, sondern morgens um 7 Uhr. Vom Autolärm geweckt steigen wir verschlafen aus den Zelten und sehen nur noch die Rückleuchten des wegfahrenden Autos. In Windeseile hinterlassen hat der nette Herr ein 50l-Fass gefüllt mit heißem Wasser – er dachte sich wohl, dass wir das gut gebrauchen können. Und in der Tat, das konnten wir!

Herrliche Landschaften in Tschechien

Mittags essen wir in Jindřichův Hradec beim Asiamann und erreichen beim Fahren durch herrliche Wälder am Abend einen Campingplatz, den wir über das GPS herausgesucht haben. Eigentlich ist er noch drei Wochen geschlossen, aber morgen kommen Gäste, daher haben die Eigentümer schonmal aufgeräumt und die Toiletten fertig gemacht. Die Sonne scheint uns noch ins Gesicht und der Platz in Staré Hobzí, der von Bäumen umringt in einem kleinen Tal liegt, wird unsere Herberge für die Nacht. Da wir nun drei Nächte wild gecampt und keine gute Wasch- und Duschmöglichkeit hatten, freuen wir uns richtig auf die warme Dusche. Thomas hat in der vorigen Nacht sogar von einer Dusche geträumt. Nach dem Abendbrot mit den letzten Sonnenstrahlen und einem kalten Pilsener Urquell aus der Dose liegen wir mit WLAN-Anbindung im Zelt. Für uns ist es der Himmel auf Erden frisch geduscht mit vollem Magen im kuscheligen Schlafsack zu liegen. Ansprüche sinken so schnell…

Der Himmel auf Erden für uns


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